Jagen für Anfänger: Jägersprache – die wichtigsten Begriffe des Jäger-Daseins

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Wenn ihr zum ersten Mal als Jäger(-Anwärter) unterwegs seid, werden euch viele Begriffe der Jägersprache (auch Weidmannssprache) erst einmal verwirren. Daher haben wir für euch eine Übersicht zusammengestellt, die die gängigsten Begriffe des Jäger-Daseins erklärt:

Aufbrechen von Wild
Blattschuss
Jagdbüchse
Hege
Schalenwild, Federwild und Haarwild
Schützenbruch
Tiere in der Jägersprache
Weidgerechtigkeit
Weidmannsheil und Weidmannsdank
Wild ansprechen

Aufbrechen von Wild

Als Aufbrechen bezeichnet man in der Jägersprache das Ausweiden eines erlegten Tieres. Früher gab es dazu eine Vielzahl von Brauchtumsvorschriften, die allerdings zum größten Teil aufgrund von Regelungen zur Hygienevorschrift keine Bedeutung mehr haben.
Zu diesem Vorgehen zählt außerdem, dass jedes erlegte Tier am Ende der Jagd einen „Bruch“ erhält: Die Jäger legen das Tier auf die rechte Körperseite und schmücken es mit einen (Fichten)zweig als Zeichen der Ehrung, Respekt und Dank an das Tier und die Natur.

Blattschuss

Der Blattschuss ist eine Schussart, bei der die Jäger hinter das Schulterblatt des Wildes treffen. Einen direkten Schuss in die Schulter versuchen die Jäger dabei zu vermeiden, da sich in diesem Teil die „Vorderkeulen“ befinden. Diese Schussart hat den Vorteil, dass dabei keine unnötigen Schmerzen für das Tier entstehen. Der Weidgerechtigkeit entsprechend bietet der Blattschuss eine schnelle Tötung.

Jagdbüchse

Eine Jagdbüchse ist ein Gewehr, das einen gezogenen Lauf hat. Waffen mit einem gezogenen Lauf haben den Vorteil, dass die Kugeln beim Abschuss in eine Rotationsbewegung gelangen. Dadurch erhöht sich die Treffgenauigkeit der Jagdbüchse im Vergleich zu Waffen mit Glattrohr enorm.
Neben der Büchse kommen in der Jagd noch weitere Waffen zum Einsatz. Typische Jagdwaffen sind Flinte, Revolver, sowie Kombinationswaffen aus Flinte und Jagdbüchse. Neben den Feuerwaffen gibt es die sogenannten „kalten Waffen“, wozu beispielsweise Messer zählen.

Hege

Das Ziel der sogenannten „Hege“ findet ihr im zweiten Absatz des Bundesjagdgesetzes:

„Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen.“

Die Hege beschreibt also den bewussten und vor allem respektvollen Umgang mit der Natur. Abgesehen von den gesetzlichen Schonzeiten und den unter Naturschutz stehenden Tieren müssen die Jäger immer Acht geben auf ein ausgewogenes Verhältnis der Populationen.
Für den Ablauf während und nach einer Jagd gibt es bestimmt Rituale. Ein Großteil dieser Rituale sind zwar keine gesetzliche Pflicht, werden aber dennoch fortgeführt, um Respekt gegenüber der Natur und den erlegten Tieren zu zeigen. Eines dieser Rituale ist zum Beispiel das Aufreihen der Tiere.

Schalenwild, Federwild und Haarwild

Jäger unterscheiden Wild in drei Arten:

  1. Federwild sind alle jagdbaren Vogelarten wie zum Beispiel Rebhühner.
  2. Als Haarwild bezeichnet man alle jagdbaren Säugetiere wie beispielsweise Hasen und Rehe.
  3. Weniger offensichtlich ist die Bezeichnung Schalenwild: Als Schalen gelten in der Jägersprache die „Klauen“ von Paarhufern, sodass alle jagdbaren Paarhufer als Schalenwild gelten. Da einige Haarwildarten auch Paarhufer sind, gibt es einige Überschneidungen beider Kategorien. Beispiele für Schalenwild sind Rehe, Elche und Wildschweine.

Schützenbruch 

Ein Bruch bezeichnet im Allgemeinen einen extra für diesen Zweck abgebrochenen Zweig. Brüche symbolisieren verschiedene Vorgänge und Ereignisse. Zweige für einen Bruch werden nur von „bruchgerechten“ Bäumen genommen – dazu zählen

  • Kiefer
  • Eiche
  • Erle
  • Tanne
  • Fichte

Je nach Region und Umgebungen können weitere Baumarten dazukommen.
Einer der wichtigsten Brüche ist der Schützenbruch: Nachdem ein Wild erfolgreich erlegt wurde, bricht der Jagdleiter einen Zweig ab, benetzt diesen mit dem Blut des Tieres und steckt ihn an die rechte Außenseite des Jägers, welcher das Wild geschossen hat. Der Schützenbruch dient den anderen Jägern entsprechend als Zeichen für ein erfolgreich erlegtes Wild. Hat der Jäger das Wild nicht tödlich verletzt, wird ein Jagdhund eingesetzt, der das angeschossene Tier legt, sodass es nicht an seinen Verletzungen unter Schmerzen verendet. Der Jagdhund, der das Wild erlegt, bekommt vom Jäger ein Stück des Schützenbruchs an das Halsband befestigt.

Tiere in der Jägersprache

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Damwild zählt zu den jagdbaren Wildtieren © Thorsten Spoerlein / Getty Images International

Nicht nur Waffen und Grußformeln sind in der Jägersprache zu finden – vor allem die Namen der Wildtiere unterscheiden sich häufig von unserer „normalen Umgangssprache“ oder sind genauer in Bezug auf das Geschlecht. So bezeichnen Jäger ein weibliches Reh beispielsweise als Ricke, männliche Wildschweine als Keiler und weibliche als Bache.
Gleichzeit nutzen Jäger auch Synonyme für bestimmte Tierarten – Hirsche und Rehe werden als Rotwild bezeichnet, Wildschweine als Schwarzwild.

Weidgerechtigkeit

Die Weidgerechtigkeit, teilweise im altdeutschen Gebrauch auch Waidgerechtigkeit, ist die Verhaltensvorgabe für Jäger. Einige Teile der Waidgerechtigkeit sind gesetzlich im Bundesjagdgesetz verankert, wie beispielsweise die Schonzeit. Andere Teile wiederrum sind eher eine Art Ehrenkodex, wie zum Beispiel der Gebrauch von Jagdsignalen nach der erfolgreichen Erlegung eines Tieres. Da Waidgerechtigkeit im Bundesjagdgesetz nicht näher beschrieben wird, sieht das Gesetz vor:

„Bei der Ausübung der Jagd sind die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit zu beachten.“

Die Verhaltensnormen gelten als lange Tradition im Jagdtum und sind daher für die allgemeine Jägerschaft von großem Wert.

Weidmannsheil und Weidmannsdank

„Weidmannsheil“ oder unter Jägern häufig auch „Waidmannsheil“ benutzen Jäger als Grußwort oder Beglückwünschung zu einer erfolgreichen Jagd. Als Antwort auf diese Grußformel gibt der beglückwünschte Jäger die Antwort „Weidmannsdank“.

Wild ansprechen

Anders als vielleicht zunächst vermutet geht es beim „Ansprechen von Wild“ nicht um das tatsächliche Ansprechen. Es handelt sich hierbei und das Beobachten und genaue Identifizieren eines Tieres. Das vorherige Ansprechen ist wichtig, um beispielsweise kranke, junge oder unter dem Schutz der Schonzeit stehende Tiere (zum Beispiel trächtige Muttertiere) zu schützen. Ein Tier, das sich eigentlich in der Schonzeit befindet, aber erkrankt ist, darf auch in der Schonzeit erlegt werden.
Erst nach dem Ansprechen des Wildes darf ein Jäger auf das Wild schießen.

 

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