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Winterwander-Knigge –
Benimmregeln für Wintersportler

Wandern im Schnee ©Johannes86/Getty Images International

Verschneite Wiesen und Berghänge, zugefrorene Seen und die frische Winterluft um die Ohren: Wer schon einmal im Winter sportlichen Urlaub in der Natur gemacht hat, weiß um die Vorzüge der kalten Jahreszeit. Jeder genießt seinen Winterausflug auf eine andere Weise. Der eine stapft am liebsten gemütlich durch den tiefen Schnee auf bekannten Wanderrouten, der andere mag es rasant auf Skiern; wieder andere ziehen ihre Kinder mit dem Schlitten durch die Winterlandschaft.

Damit alle, die es ins weiße Gebirge zieht, die Schneepfade gleichermaßen genießen können, sind Rücksicht und Achtsamkeit das A und O. Hier im BW CAMP erfahrt Ihr, was Ihr als „Verkehrsteilnehmer“ beim Winterwandern unbedingt beachten solltet. Wir haben Euch die wichtigsten Benimmregeln zusammengestellt.

Die richtige Spur benutzen

Bist Du beim Wandern im Winter als Fußgänger mit Schneeschuhen unterwegs? Oder in schnellerem Tempo auf Skiern oder mit dem Schlitten? Ist der Weg, auf dem Ihr unterwegs seid, breit genug, sollte jedes Fortbewegungsmittel seine eigene Spur befahren. So können diejenigen, die schneller unterwegs sind problemlos die langsameren Fahrer überholen und Ihr tut Personen, die zum Beispiel auf Skiern unterwegs sind, den Gefallen, eine gut befahrbare Spur zu erhalten.

Warnschilder ernst nehmen

Hänge und Streckenabschnitte, an denen explizit vor Lawinengefahr gewarnt wird, solltet Ihr nicht betreten. Mögen solche Pisten dank unberührter Natur noch so reizvoll aussehen und mögt Ihr Euch von einer Abfahrt eines solchen Hanges den ultimativen Nervenkitzel versprechen: Das Befahren bzw. Begehen solcher Abschnitte kann lebensgefährlich sein und nicht nur Euch, sondern auch unbeteiligte Personen in Gefahr bringen. Achtet also immer auf Warnschilder, um gefährliche Manöver zu vermeiden.

Winterwandern zu zweit

© Halfpoint/thinkstockphotos.de

Vorfahrtsregeln beachten

Die einen sind talabwärts unterwegs, die anderen wandern in Richtung Bergspitze. Aber wer hat denn nun Vorfahrt? Wenn Ihr auf Schneepfaden unterwegs seid, müsst Ihr mit Gegenverkehr rechnen. Vorfahrt hat immer derjenige, der aus dem Tal kommt. Als Aufsteiger habt Ihr also in der Regel Vorrang.

Die Natur schützen

Lasst der Umwelt zuliebe keine Abfälle oder Verpackungsmüll in der Natur zurück. Auch wenn Müll zunächst im hohen Schnee verschwindet – spätestens wenn dieser schmilzt kommen die Abfälle zum Vorschein.

Umfahrt außerdem die ausgeschilderten Schongebiete und begrenzt Eure Wintersportaktivitäten auf ausgewiesene Strecken, um Flora und Fauna zu schützen. Der Winter ist für einige Tierarten ohnehin eine Belastungsprobe. Ein Grund mehr, den tierischen Waldbewohnern ihre Ruhe zu lassen. Gerade Futterstellen der Tiere solltet Ihr weiträumig umfahren, damit sich das Wild nicht aus Angst vor lauten Geräuschen nicht mehr an das Futter wagt.

Ihr solltet außerdem auf ausgewiesenen Strecken und Wegen bleiben, um junge Bäume und Pflanzen zu schützen, die man durch die dicke Schneedecke nicht sieht.

Schnee in den Bergen

© Zoonar RF/thinkstockphotos.de

Lawinenschutz in den Alpen –
So wird das Schneegebiet sicherer

Lawinengefahr

Schnee soweit das Auge reicht – ein Traum für jeden Skiurlauber. Dass die weiße Pracht aber auch eine nicht zu unterschätzende Naturgewalt darstellt und ihre Risiken birgt, vergessen viele Urlauber dabei. Wenn große Schneemassen plötzlich talabwärts strömen, spricht man von einer Lawine und die kann richtig gefährlich werden. Wir erklären Euch, wie Lawinen entstehen und welche Maßnahmen getroffen werden können, um Besucher und Bewohner schneereicher Gebiete vor Lawinen zu schützen.

Wie entstehen Lawinen?

Augenscheinlich donnern die Schneemassen bei einem Lawinenausbruch unerwartet ins Tal. Könnte man jedoch einen Blick unter die dichte Schneedecke werfen, so würde man feststellen, dass ein Lawinenausbruch sich langsam aber sicher anbahnt. Herrscht ein geringer Temperaturunterschied zwischen der Luft- und Bodentemperatur, entsteht beim Schneefall am Boden ein fester Schneekörper aus den charakteristischen sechseckigen Kristallen. Ist der Temperaturunterschied jedoch hoch, wird der Schneekörper nicht sechseckig, sondern nimmt eine becherförmige Struktur an. Diese Struktur erlaubt es nicht, dass sich einzelne Schneekörper miteinander verbinden. Stattdessen liegen sie dann locker übereinander und lösen sich von der Masse ab.

An den Schichtgrenzen kann es dann irgendwann zum Bruch kommen. Lösen sich die Hangteile, wird eine sogenannte Schneebrettlawine ausgelöst. So nennt man eine Lawine, bei der es zur Loslösung von großen Schneetafeln kommt. Lösen sich nur vergleichsmäßig kleine Teile der Schneedecke spricht man von Lockerschneelawinen – auch diese können jedoch bei einem unkontrollierten Abriss gefährlich sein.

Neben der Beschaffenheit des Schnees spielt auch die Wachstumsrate der Schneedecke eine Rolle bei der Lawinenentstehung. Fällt in kürzester Zeit viel Neuschnee, kann sich die Schneedecke nicht an die Belastung anpassen und verliert ihren Halt. Durch die Wirkung der Schwerkraft strömen die Schneemassen in einem rasanten Tempo talabwärts. Fällt an einem Tag besonders viel Neuschnee erhöht das die Lawinengefahr.

Die größte Lawinengefahr herrscht übrigens bei einer Hangneigung zwischen 30 und 45 Grad. Über 45 Grad ist die Steigung so stark, dass sich der Schnee nicht besonders hoch auftürmen kann, weil er direkt abrutscht; unter 30 Grad Neigung ist die Steigung in der Regel nicht stark genug, sodass der Schnee an Ort und Stelle bleibt. Je nach Schneemenge- und Beschaffenheit bewegt sich die weißen Masse mal gleitend, mal wild wirbelnd Richtung Tal.

Lawinenausbruch

Lawinenschutz – Die Gefahr abwenden auf verschiedenen Wegen

In schneereichen, bergigen Gebieten werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Menschen und Gebäude vor Lawinenausbrüchen zu schützen. Nachfolgend werden die Möglichkeiten zum Lawinenschutz erläutert:

Baulicher Lawinenschutz

Bauliche Elemente sind eine Möglichkeit Menschen und Institutionen vor Lawinen zu schützen. Dabei kann man zwischen präventiven Schutzmaßnahmen und solchen unterscheiden, die im akuten Fall eines Ausbruchs greifen.

Zu den präventiven Schutzmaßnahmen zählen zum Beispiel Stützverbauungen. Dazu werden feste Stützflächen aus Stahl oder flexible Schneenetze aus Drahtseilen im Boden der Risikoregionen verbaut. Durch die Stützen soll ein Lawinenausbruch verhindert werden.

Eine Lawinenschutzmaßnahme, die im Falle eines Ausbruches Leben retten kann, sind Auffangdämme. Sie werden errichtet, um Lawinen zu verzögern oder vor bestimmten Objekten so gezielt wie möglich zu stoppen. Je nach Lawinengeschwindigkeit benötigt man Dammhöhen von mehr als 20 Metern, um einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten. Konstruktionen, die Schneemassen an Orte lenken sollen, an denen sie keinen Schaden anrichten können und niemanden in Gefahr bringen, nennt man Ablenkdämme. Sie fungieren vielerorts als Kombination aus Lawinen- und Hochwasserschutz und begrenzen die Lawinen seitlich.

Lawinengalerien, auch Lawinentunnel genannt, werden als Lawinenschutz vor Verkehrsachsen eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass sich der Schnee auf deren Dach ablagert oder über die Verkehrsachsen hinwegfließt.

Planerischer Lawinenschutz

Eine Art des Lawinenschutzes besteht darin, die Lawinen genau zu beobachten und aus Fließverhalten, Druckwirkung und Wiederkehrdauer der Lawinen Schlüsse zu ziehen. Aus Erfahrungswerten und detaillierten Analysen von Schneegebieten wurden Karten entwickelt, die aufzeigen, in welchen Gebieten erhöhte Lawinengefahr besteht. Sie sind heute ein wichtiges Planungsinstrument im Lawinenschutz. Siedlungsgebiete werden in verschiedene Gefahrenstufen eingeordnet: rot, blau, gelb oder weiß.

Was bedeuten die einzelnen Gefahrenstufen?

Rot: Erheblich gefährdetes Gebiet. Bricht in diesen Regionen eine Lawine aus, könnte sie ohne Schutzmaßnahmen Gebäude zerstören und Personen gefährden. In rot gekennzeichnetem Gebiet dürfen keine neuen Bauten errichtet werden.

Blau: Hier treten selten Lawinen auf, die außerdem nur eine geringe Druckwirkung haben. Im Gebäude selbst sind Personen Erfahrungswerten zu Urteilen nicht gefährdet, da die Lawinen in diesen Gebieten nicht so stark sind, dass sie Bauwerke zerstören. Außerhalb stabiler Bauten können Personen in blauen Gebieten jedoch zu Schaden kommen. Ob neue Gebäude errichtet werden dürfen, wird in blau eingestuften Gebieten im Einzelfall entschieden. Wird hier ein Bau bewilligt, ist er zumeist mit baulichen Auflagen, wie Objektschutz und Evakuierungsplänen verknüpft.

Gelb: In diesen Gebieten wird die Gefährdung als gering eingestuft. Personen und Gebäude sind von Lawinenausbrüchen nicht sonderlich bedroht.

Weiß: Wird ein Gebiet in die Gefahrenstufe „weiß“ eingeordnet, besteht keine Lawinengefahr.

Temporärer Lawinenschutz

Zum temporären Lawinenschutz zählen Maßnahmen, die kurzfristig und bei akutem Bedarf eingeleitet werden, zum Beispiel, wenn bauliche Maßnahmen nicht mehr greifen oder zu teuer sind. Zum temporären Lawinenschutz zählen zum Beispiel Warnungen, Evakuierungen einzelner Bereiche oder Sperrungen von Straßen oder ganzen Gebieten.

Jeden Tag müssen die Faktoren, die einen Lawinenausbruch begünstigen können neu betrachtet werden. Gibt die aktuelle Wettersituation Grund zur Annahme, dass die Ausbruchgefahr erhöht ist, werden schnellstmöglich von lokalen Sicherheitsdiensten Maßnahmen eingeleitet, Sperrungen veranlasst und Warnungen ausgesprochen.

Künstliche Lawinenauslösung

Zum Schutz von Verkehrsachsen, ganzen Schneesport- oder Siedlungsgebieten wird auf Flächen, auf denen erhöhte Lawinengefahr besteht, gezielt ein Schneerutsch ausgelöst. Es werden beispielsweise Großlawinen verhindert, indem man versucht mehrere kleine auszulösen, die man dann möglichst gezielt durch bauliche Maßnahmen in unbesiedelte Gebiete ablenkt. Um die Lawinen künstlich auszulösen, werden zum Beispiel Sprengladungen gezündet, deren Druckwelle die Schneemassen in Bewegung setzt.

Waldbaulicher Lawinenschutz

Auch die natürliche Bewaldung kann vor Lawinen schützen. Diese Schutzart ist flächenmäßig der wohl wichtigste Lawinenschutz, weil er effektiv und kostengünstig ist. Zum einen stützen Bäume die Schneedecke ab und zum anderen herrscht im Wald ein gemäßigteres Klima, weshalb dort die Lawinenausbruchsgefahr gegenüber dem freien Land reduziert ist.

Waldbaulicher Lawinenschutz