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Die häufigsten 7 Fehler beim Sportklettern

Sicher-Klettern

Jeder, der es schon einmal ausprobiert hat, weiß: Klettern macht Spaß, bringt aber auch gewisse Risiken mit sich. Egal ob Anfänger oder Profi – jeder Kletterer muss dafür Sorge tragen, nicht abzustürzen und seinen Kletterpartner zuverlässig sichern. Je routinierter Kletterer in ihrem Hobby werden, desto unvorsichtiger werden sie oftmals, weil sie nicht mehr über die allgegenwärtigen Gefahren beim Klettern nachdenken. Wir wollen euch hier nochmal die häufigsten Fehler beim Sportklettern ins Gedächtnis rufen, damit ihr sie beim nächsten Auf- oder Abstieg an der Kletterwand bewusst vermeiden könnt.

Fehler 1: Die falsche Technik

Viele Kletter-Einsteiger machen den Fehler, den Fokus zu sehr auf die Armarbeit zu legen.
Sie konzentrieren sich zu sehr auf das Offensichtliche: Das Festhalten mit den Fingern an Felsvorsprüngen oder Klettergriffen. Sie nutzen überwiegend die Kraft aus den Armen, um sich weiter vorzuarbeiten. Genau in dieser reinen Konzentration auf die oberen Extremitäten liegt aber der Kardinalfehler.

Statt euch nur mit den Armen hochzuziehen, solltet ihr euch auch mit den Beinen nach oben drücken. Das ist kraftsparender und auch sinnvoller. Denn wer nicht stets mit den Füßen mitklettert und aufschließt, steht irgendwann lang ausgestreckt an der Fels-oder Trainingswand und kämpft dann mit Problemen, die Füße nachzuziehen. Erst einmal lang ausgestreckt an der Felswand hängend, muss viel Kraft aufgewendet werden, um sich mit einem kleinen Klimmzug weiter nach oben zu kämpfen. Außerdem ist der Stand unsicherer, wenn man komplett ausgestreckt Halt macht.

Folgenden Leitsatz solltet ihr euch beim Klettern merken: Die Beine machen die Kraftarbeit beim Aufsteigen; die Arme leisten Haltearbeit.

Frau-am-Klettern

Frau am Klettern © skynesher / Getty Images International

Fehler 2: Das Sicherungsseil ist falsch eingehängt

Fälschlicherweise wird das Sicherungsseil manchmal falschherum in den Karabiner eingehakt. Das Seil sollte aber vom Einbindeknoten her geholt werden. Achtet vorm Kletterstart darauf, dass das Seil nicht verdreht und richtig eingehakt ist. Generell gilt: Vergewissert euch vor jeder Klettertour penibel genau, ob alle Gurte und Karabiner richtig geschnallt und verschlossen sind.

Kletter-Equipment

Kletter-Equipment © Thomas-Soellner / Getty Images International

Fehler 3: Das Bremsseil wird nicht richtig festgehalten

Die goldene Regel am Sicherungsseil: Das Bremsseil immer mit einer Hand fest umschlossen halten. Ihr tragt die Verantwortung für euren Kletterpartner in den Händen und solltet deshalb immer konzentriert und sorgfältig sichern. Die Bremshand gehört dabei übrigens immer unter das Gerät, nicht darüber.

Fehler 4: Die falsche Sicherungsposition

Beim Klettern mit einem Sicherungspartner, der das Seil in der Hand hält, sollte der Sichernde nah an der Kletterwand positioniert sein. Der richtige Standort ist etwa einen Meter von der Wand entfernt, so, dass ihr gerade außerhalb der möglichen Sturzbahn des Kletterers steht. Der Sichernde darf nicht zu weit von der Wand entfernt stehen, aber auch nicht zu nah an der Wand, um im Fall eines Sturzes nicht getroffen zu werden.

Fehler 5: Zu lockeres Schlappseil

Das Sicherungsseil locker baumeln lassen? Keine gute Idee! Das Sicherungsseil sollte, egal auf welcher Höhe sich der Kletterer befindet, nicht durchhängen – auch oder gerade dann nicht, wenn der Kletterer schon viele Höhenmeter überwunden hat. Sonst besteht im Fall eines Sturzes die Gefahr, dass der Kletterer bis auf den Boden fällt, statt vom Sichernden rechtzeitig aufgefangen zu werden. Ihr solltet immer flexibel, aber eng sichern.

Kletterwand

Kletterwand © takoburito / Getty Images International

Fehler 6: Der Gewichtsunterschied zwischen den Kletterpartnern ist zu groß

Das Kletterteam sollte sich vom Körpergewicht her nicht mehr als 20 Kilogramm unterscheiden, um sicheres Klettern zu gewährleisten. Nur so kann der Sichernde seinen Partner im Fall eines Sturzes zuverlässig auffangen. Tauscht euch also vor jeder Klettertour kurz über euer Gewicht aus.

Fehler 7: Zu schnell abseilen

Wenn es an das Abseilen des Kletterers geht, solltet ihr euren Partner langsam und kontrolliert hinunterholen, damit der Kletternde sicher am Boden ankommt. Wenn ihr das Seil zu schnell locker lasst, könntet ihr leicht die Kontrolle verlieren und so euren Partner in Gefahr bringen.

Absteigen beim Klettern & Wandern:
Sicher nach unten kommen

Klettern am Fels

„Runter kommt man immer“ heißt es im Volksmund. Aber wer bereits einige Klettertouren hinter sich gebracht hat weiß: Entgegen der Erwartungen ist der Abstieg beim Klettern zumeist schwieriger als der Aufstieg. Das Abklettern sollte deshalb geübt sein. Wir erklären Euch, wie Ihr von hoch oben sicher ins Tal gelangt ohne die Nerven zu verlieren.

Wie Ihr steile Hänge passieren solltet

Steiles Gelände steigt Ihr am besten frontal, also mit der Brust zum Berg, oder seitlich ab. Das seitliche Abklettern bietet den Vorteil, freie Sicht auf den Wegverlauf zu haben. Beim seitlichen Fortbewegen solltet Ihr darauf achten, Eure Füße nicht zu überkreuzen, um nicht ins Stolpern zu geraten.

Wie Ihr in flachem Gelände nach unten klettern solltet

Ist das Terrain flach und unkompliziert, empfiehlt sich das taloffene Absteigen. Wie der Name verrät steigt Ihr bei dieser Methode mit dem Gesicht zum Tal gerichtet ab und habt die Felswand im Rücken. So könnt Ihr mit offenen Augen den Weg vor Euch ausloten, Hindernisse umgehen und schwierige Stellen gezielt meiden. Weil Ihr Euch im „Vorwärtsgang“ auf den Händen abstützen und mit dem Gesäß anlehnen könnt, ist das taloffene Absteigen kraftsparend. Je nach Geländebeschaffenheit den Kletterstil zu ändern ist sinnvoll.

Abklettern

7 Sicherheitsmaßnahmen vor Antritt des Abstiegs

Anfänger wie auch erfahrene Bergsteiger sollten bereits vor dem Antritt des Abstiegs folgende Sicherheitsvorkehrungen treffen:

► Routenplanung: Länge und Schwierigkeitsgrad der Strecke im Vorfeld ermitteln.
► Zeitplanung: Ihr solltet vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel angekommen sein.
► Angehörige über Eure Route und die geplante Ankunftszeit informieren. Für den Fall, dass Euch etwas passiert, weiß jemand wo, man Euch findet.
► Den Wetterbericht für das Tourengebiet im Auge behalten und bei Sturm- oder Unwetterwarnungen nicht abklettern.
► Genügend Wasser, Tee oder Natursäfte einpacken.
► Etwas nährstoffreiche Nahrung einpacken (zum Beispiel Nüsse oder Trockenfrüchte) für eine schnelle Energiezufuhr.
► Schaut Euch eine Topo-Karte im Maßstab von 1:25.000 an, um einfache Stellen zum Abklettern auszuloten und im Vorfeld Hindernisse zu identifizieren. Beachten solltet Ihr: Die einfachste Route zum Hinaufklettern ist nicht immer auch die leichteste für den Abstieg.

10 Sicherheitsmaßnahmen während des Abstiegs

► Prüft beim Abklettern den Fels durch Schläge mit dem Daumenballen und der Stiefelspitze auf Festigkeit. Es sollten keine Steinklümpchen abbröckeln.
► Nutzt kantige Felsstrukturen zum Greifen. Dort hat man einen besseren Halt als bei runden Felspartien.
► Achtet nicht bloß auf horizontale Strukturen und Felsrisse als Griffflächen, sondern auch auf vertikale. Auch sie eignen sich oftmals als sicherer Griff.
► Nutzt nach Möglichkeit nur trockene Stellen zum Klettern.
► Für den Fall, dass Ihr an kleinen Felsleisten entlangklettert: Dort steht man mit der Innenseite der Schuhspitze am sichersten.
► Achtet darauf, Euch nicht auf Pflanzen oder Sand zu stellen – das könnte rutschig sein.
► Ihr solltet die Hände beim Abstieg immer frei haben. Bindet Treckkingstöcke seitlich an den Rucksack – aber möglichst eng, damit Ihr nicht daran hängenbleibt.
► Schnürt die Schuhe vor Antritt des Abstiegs noch einmal kräftig zu, damit Ihr nicht über offene Schnürsenkel stolpert.
► Achtet beim Abstieg mit Rucksack darauf, dass die schweren Sachen nah am Rücken, unterhalb der Schulterblätter liegen, damit er Euch mit seinem Gewicht nicht nach vorne oder hinten zieht. Die Rucksackeinstellungen sollten dennoch genug Kopffreiheit zulassen. Befestigt außerdem nichts außen am Rucksack woran Ihr hängenbleiben könntet.
► Jeder ist nur so stark wie das schwächste Mitglied im Team: Bleibt zusammen und macht gemeinsam Pausen nach Bedarf.